Mark Zimmermann sprach mit Next Industry über das INFOMOTION Digital Innovation Lab

Juli 20, 2018 / Verfasst von / 0 Kommentare

Welche Ziele verfolgt INFOMOTION mit seinem Digital Innovation Lab? Und was haben 3D-Techniken mit Business Intelligence (BI) zu tun? Darüber sprach Mark Zimmermann, Gründer und Geschäftsführer von INFOMOTION, mit Next Industry​​. Hier nun das Interview in voller Länge.
Die Digitalisierung muss immer einhergehen mit einem organisatorischen Wandel

Herr Zimmermann, INFOMOTION hat im Januar in Stuttgart ein Digital Innovation Lab eröffnet, das Know-how mit Erleben verbinden und einen umfassenden Überblick über die Megatrends der Digitalisierung – darunter VR, Location Tracking und 3D-Druck – vermitteln will.

Was hat das alles mit BI zu tun?
Eine ganze Menge, die BI-Welt hat sich seit unserer Gründung 2004 stark weiterentwickelt. So kamen ganz neue Themen wie Big Data dazu. Im Zuge des allgemeinen Digitalisierungstrends hat sich BI immer weiter über die operative Ebene hinaus in Richtung der strategischen Ebene entwickelt. Schaut man genauer hin, so stellt man schnell fest, dass viele Digitalisierungsprojekte in den Unternehmen in datengetriebene Geschäftsmodelle münden. Die Unternehmen sehen sich mit der Frage konfrontiert: Wie kommen wir in diesem Umfeld vorwärts? An dieser Stelle benötigen sie strategische Beratung. Den großen Strategieberatern fehlt im Zusammenhang mit der Digitalisierung aber oft eine wichtige Facette: das Detailwissen. Folglich hören viele Digitalisierungsvorhaben dort auf, wo sie eigentlich anfangen müssten, denn bei der Digitalisierung ist ein hoch agiles, iteratives Vorgehen erforderlich. Wir sind mit diesem Problem seitens unserer Kunden oft konfrontiert worden. Sie haben uns gefragt: Wie sollen wir digitalisieren? Wie gehen wir dabei strategisch vor? Auch für uns als IT-Projekthaus mit klarem BI-Fokus war und ist das ein Lernprozess. Wir haben eine dedizierte Unit gegründet, die sich ausschließlich mit strategischen Themen im Kontext der Digitalisierung befasst. Nach und nach ist dann die Idee gereift, einen Raum – und das im wahrsten Sinne des Wortes – zu schaffen, in dem wir die Use Cases gemeinsam mit Kunden durchdenken und strategisch entwickeln.

Und aus dieser Idee entstand dann das Digital Innovation Lab?
Ja. Das Digital Innovation Lab soll ein Erlebnisraum für unsere Kunden und für die Teilnehmer unserer Workshops über Business Intelligence, Analytics und Big Data sein. Wir wollen sie dort „digital inspirieren“, indem wir sie in die digitale Welt eintauchen lassen. Wohin entwickelt sich künstliche Intelligenz und wie profitieren wir alle davon? Welche digitalen Lösungen werden die Unternehmen künftig prägen? Die Antworten auf solche Fragen sollen im Digital Innovation Lab erlebbar gemacht werden.

Welche digitalen Technologien kann man dort „erleben“?
3D-Druck, Location Tracking und Geofencing, Gadget Wall und High Performance Server: Das sind nur einige der Highlights im Stuttgarter Lab. Dazu kommen Data-Science-Arbeitsplätze mit digitalen Whiteboards und ein mächtiger Big Data Cluster. Dadurch besteht die Möglichkeit zu konzentriertem Arbeiten direkt vor Ort. Ein VR-Raum sowie ein IoT-Raum ermöglichen ein Virtual-Reality-Erlebnis mit viel Bewegungsfreiheit. Außerdem kann man eine voll vernetzte Produktionsstraße, also Industrie 4.0, in Augenschein nehmen. Mittelfristig wollen wir zu einem Anziehungspunkt für nationale Szene- und IT-Events werden.

Welche Branchen adressieren Sie mit dem Digital Innovation Lab?
Außer Government eigentlich alle. Wir sind vom Prozess-Know-how her eigentlich in allen Branchen gut verankert. Dadurch können wir die Use Cases und Storys unserer Kunden optimal vorbereiten. Die Didaktik eines Kundenworkshops sieht in der Regel wie folgt aus: Wir beginnen mit einem halben bis einem Tag Digital Experience, was wir auch als Digital Unfreezing bezeichnen. In die frühe Workshop-Phase fallen auch die Brainstormings. Dann gehen wir immer stärker ins Prototyping über, dem sich eine Bewertung sowie eine Definition des weiteren Vorgehens anschließen. Schon in der „Inspirationsphase“ setzen wir Branchenakzente – allerdings ohne engen Fokus. Gerade bei der Entwicklung einer Digitalstrategie ist es wichtig, über den Tellerrand der Branche hinauszuschauen.

Trotzdem: Wie passen BI, Big Data, Augmented/Virtual Reality und 3D-Druck zusammen – sofern sie das tun?
Virtual Reality und Business Intelligence, da sind die Berührungspunkte natürlich noch nicht so stark ausgeprägt. Die Betonung liegt dabei auf „noch“. Das typische Mensch-Computer-Interface für BI besteht aus Bildschirm und Tastatur. Und das wird noch ein Weile so bleiben. Vielleicht gibt es irgendwann einmal BI-Systeme, in denen man sich dreidimensional in den Daten bewegen kann. ​Auch für die Präsentation von Analyseergebnissen ist VR sicher interessant. Etwas anders sieht es beim Zusammenspiel von BI und Augmented Reality aus. Bei nahezu allen AR-Anwendungsfällen, zum Beispiel in der Instandhaltung, in denen Informationen in die Datenbrille eingeblendet werden, ist eine Koppelung an die analytische Datenverarbeitung gegeben. Zudem nutzt man Machine Learning und künstliche Intelligenz, und damit Methoden, die ebenfalls zum Werkzeugkasten von Data Analytics und Business Intelligence gehören.

Sie sagten vorhin, dass sich BI immer mehr von der operativen in Richtung Strategieebene entwickelt habe, den großen Strategieberatungen aber oft das nötige Detailwissen fehle. Wäre es dann nicht besser, bei Definition und Umsetzung einer Digitalstrategie gleich auf den „Spezialisten“ zuzugehen?
Ja, sofern der Spezialist über das nötige Handwerkszeug verfügt. Man muss hinein in den „Maschinenraum“, muss die Strategie prototypisch in den Prozessen implementieren und sich Veränderung in der Wertschöpfung anschauen. Mit Powerpoint-Präsentationen klappt das nicht. Dennoch braucht es auch Methoden, um im strategischen Bereich voranzukommen. Ohne beispielsweise Business Model Canvas und Designthinking kommen wir hier auch nicht aus.

Manche Unternehmen versuchen, ihre Digitalstrategie aus der Organisation heraus zu entwickeln. Sie schaffen dafür spezielle Abteilungen oder gründen sogar Start-ups. Was ist davon zu halten?
Gründet man Stabsstellen oder spezielle Abteilungen, so verspricht man sich davon eine Agilität und Schnelligkeit, die sich in der bestehenden Organisation kaum verankern lässt. Das klappt manchmal, aber nicht immer. Ich kenne Beispiele aus dem IT-Bereich, wo man sich auf diese Weise zwei „Silos“ geschaffen hat, die im Clinch miteinander liegen: die agilen Digitalisierer auf der einen Seite und den vermeintlich trägen IT-Betrieb auf der anderen. Wenn ich aus Bordmitteln eine Digitalstrategie entwickeln möchte, muss ich mir der Wirkung auf die gesamte Unternehmensorganisation bewusst sein.

… also besser Expertise von außen hereinholen?
Ich denke, dass man für die Digitalisierung einen externen Partner hinzuziehen sollte. Schließlich ist Digitalisierung kein ​​rein technologiegetriebenes Projekt. Einen CDO zu rekrutieren, eine Stabsstelle zu schaffen, die dann zwei oder drei coole Sachen entwickelt, hat mit digitaler Transformation nichts zu tun. Auch die Organisation muss sich wandeln. Und dieser Wandel, der Change, ist umso schwieriger und komplexer, je größer die bestehende Organisation ist. Ich kenne kaum Change-Projekte, die Organisationen von innen heraus gestemmt haben. Den Change mit externer Unterstützung zu begleiten, ist demnach eine ganz wichtige Facette bei der Digitalisierung. Daneben braucht man natürlich auch externe Experten für Themen wie Data oder Analytics und – je nachdem, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist – für Manufacturing. Nochmal: Die Digitalisierung muss immer einhergehen mit einem organisatorischen Wandel. Ich kann nicht einfach eine VR-Workstation aufstellen und bin dann „digital“. Es muss sich auch das Denken der Mitarbeiter verändern, ihr Mindset, wenn die Digitalisierung einen Mehrwert haben soll.

Quelle: „next-industry.de“ – Ausgabe #2 – Juli 2018


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